Ein Leben mit und für die Tauben

Belgien ist bekanntlich das sogenannte Mutterland des Brieftaubenwesens. Es verwundert daher nicht, dass gerade hier seit vielen Jahren besonders professionell gereist wird. Die meisten belgischen Sportfreunde haben sich auf die Kurz-, Mittel- oder Weitstrecke spezialisiert. Allroundzüchter, wie z.B. in Deutschland üblich, sind in Belgien selten. Ausnahmespieler darf man zu Recht als „weiße Raben“ betiteln. Jos Thoné zählt nachweisbar zu dieser seltenen Gattung.

Jos (rechts) und Xavier Thoné
Jos (rechts) und Xavier Thoné

Die Person

Jos Thoné wurde in Maasmechelen (Belgien) geboren. Seine Eltern Tilly und Gerard prägten ihn und unterstützen ihren Sohn bis heute bei der Tauben- versorgung bzw. der Bewirtung von Gästen.

Züchterisch geprägt haben Jos im Wesentlichen der große Altmeister Jan Grondelaers aus Opglabbeek und sein späterer Schwiegervater Thomas Peeters. Jan Grondelaers war und wird laut Aussagen von Jos Thoné immer sein Vorbild bleiben. Auch die Erfahrungen von Thomas Peeters halfen ihm, seine züchterische Entwicklung voranzutreiben. Privat lebt Jos Thoné mit Ehefrau Gaby und den beiden gemeinsamen Söhnen Xavier (1989) und Maxim (1994).

Der Lebensweg

Schon als kleiner Junge war Jos Thoné regelmäßig auf den Schlägen seines Vaters Gerard anzutreffen. Bereits im Kindesalter prägten ihn die Tauben und somit seinen späteren Lebensweg. Als Schüler war es für Jos üblich, dass in den frühen Morgenstunden der heimatliche Schlag gereinigt wurde. Nach dem Schul- unterricht war es normal, als erstes nach den Tauben zu sehen. 

Das Familienleben der Thonés veränderte sich erheblich mit dem Umzug von Maasmechelen nach As. Hier wohnte damals der bereits bekannte Taubenzüchter Thomas Peeters, der unter dem Namen Thomas Peeters & Sohn spielte. 

Zu Beginn der Partnerschaft (also 1977) zwischen Thomas Peeters und Jos Thoné war die Aufgabenverteilung sehr klar definiert. Jos sagt: „Ich war der Kotkratzer auf den Schlägen bei Thomas Peeters. “Zweimal täglich mussten die „Hinterlassenschaften“ der bis zu 1.000 Tauben von den Schlägen entfernt werden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Jos zu den Tauben ein enges Verhältnis aufbaute und schnell die treibende Kraft hinter den Kulissen des Schlages Thomas Peeters & Sohn wurde.

Etwa sechs Monate nach Beginn seiner Arbeit als „Schlagmanager“ begann Jos Thoné sich nicht nur für Thomas-Peeters-Tauben zu interessieren. Dem damals 16-Jährigen war nicht entgangen, dass im Hause Peeters nicht nur interessante Tauben beheimatet sind. Gaby, die jüngste Tochter von Thomas, war ein hübsches und charmantes Mädchen. Den Reizen dieses Mädchen war Jos erlegen und bald sollte der „Schlagmanager“ nicht nur die Tauben im Hause Peeters betreuen. Im Jahr 1988 heirateten Jos und Gaby und sie wurden Eltern von Xavier und Maxim.

Ein Jahr später bekamen Jos und Gaby von ihrem Vater in der Kruisstraat in Niel-bij-As ein Grundstück geschenkt. Darauf wurden ein Haus und natürlich eine Schlaganlage gebaut. 1990 endete die Partnerschaft zwischen Thomas Peeters und Jos Thoné. Ein Jahr später spielte Jos nun zum ersten Mal mit Jungtauben auf eigenen Namen.

Wie im Märchen

Der Auftakt verlief wie eine Geschichte aus einem Märchenbuch. Auf seinem ersten Flug wurde gleich der 1. Preis errungen. Am Ende der ersten Reisesaison standen die vier provinziale Siege ab Reims (227 km) gegen 4.208 Tauben, La Souterraine (611 km) gegen 1.269 Tauben, Argenton (576 km) gegen 2.958 Tauben und Vierzon (495 km) gegen 646 Tauben zu Buche. Diese Saison sollte für alle belgischen Züchter ein Fingerzeig sein, was in den Folgejahren auf sie zukommen sollte!

Weltmeister

Die Aufzählungen aller guten Ergebnisse bzw. Meisterschaften, As-Tauben etc. würde an dieser Stelle den verfügbaren Rahmen für diese Reportage stark einschränken, daher wird darauf nur punktuell eingegangen. Die vier Titel „Weltmeister Versele-Laga“ haben für Jos Thoné besondere Bedeutung, da bei dieser Meisterschaft auf allen Distanzen gepunktet werden muss. Im Jahr 2000 folgte der nächste Brieftauben-Entwicklungsschritt im Hause Thoné.

Aufgrund des Zeitaufwandes und der großen Nachfrage nach Tauben aus dem Haus Thoné wurde der Schritt zum professionellen Taubenzüchter gewagt. Aus heutiger Sicht war diese Entwicklung notwendig und richtig. Das Jahr 2000 hatte aber auch seine Schattenseiten für den belgischen Großmeister. Unterschiedliche Auffassungen mit seinem Geschäftspartner führten zum Verkauf des erst 1999 eröffneten World Pigeon Centers, das die Möglichkeit bieten sollte, mit eingesandten Jungtauben auch in den Folgejahren an allen belgischen Wettbewerben teilnehmen zu können. Dieses Taubenzentrum war zu diesem Zeitpunkt sein Lebenswerk, in das Jos Thoné auch größere finanzielle Mittel gesteckt hatte. Das Ende dieses Projekts war selbst für den geschäftstüchtigen und engagierten Spitzenspieler nicht einfach zu verarbeiten. Durch die Unterstützung seiner Familie wurde auch diese schwierige Lebensphase gemeistert.

Weltweit

Jos Thonés Söhne Maxim und Xavier sind mittlerweile seit einigen Jahren im Thoné Pigeon Team sehr aktiv. Aktuell ist Jos Thoné weltweit einer der wenigen Züchter, die von sich behaupten können, dass ihre Tauben auf allen Kontinenten für erfolgreichen Nachwuchs sorgen. Sein Wissen über die Brieftauben ist dafür verantwortlich, dass er ein gefragter Gast auf Brieftaubenveranstaltungen auf allen Erdteilen ist.

Stammaufbau

Wer die Person Jos Thoné einmal persönlich kennengelernt hat, dem ist ganz sicher seine analytische Denkweise aufgefallen. Jos versucht, in seinem Leben nichts dem Zufall zu überlassen. So ist es nicht verwunderlich, dass er auch beim Stammaufbau seine analytische Art, gepaart mit seinem Wissen und seinem Händchen für Tauben, nutzte. Natürlich half beim Stammaufbau die enge Bindung zum Schwiegervater Thomas Peeters.

Da Jos an möglichst vielen Alt- und Jungtierflügen teilnehmen wollte, hat er beim Stammaufbau aus zwei Taubentypen gezüchtet. Linie 1 waren die Tauben für die Kurz- und Mittelstrecke. Hierfür wurden zu Beginn noch Tauben unter anderen von Leo Geris (Sorte Frans Stoces) verwendet. Von Leo erhielt er Schwestern des berühmten „Zwarten“, welcher zweimal nationale As-Taube der Mittelstrecke in Belgien war. Zwei Schwestern wurden an den „Supermann“ (reingezogener Jans- sen-Vogel von De Backer) gesetzt, und daraus fielen viele überdurchschnittliche Tauben. Der gekaufte „Superman“ (B-82-5192253; war 1. As-Taube KBDB 1986) ist eindeutig die Basistaube der Mittelstrecke im Hause Thoné. Tauben von Pierke Dreesen, Pros Roosen und Rik Ceusters (Sorte Grondelaers) wurden ebenfalls in die Zucht der eigenen Mittelstreckentauben erfolgreich eingesetzt. Im Laufe der Jahre wurden sehr gezielt Tauben gekauft und eingekreuzt. Bei den „Neuen“ wurde immer auf die Leistung, die Abstammung (aus erfolgreichen Linien) und die körperliche Eignung geachtet. Selbst kleine Makel sorgten in der Vergangenheit und aktuell dafür, dass solche Tauben nicht in der Zucht eingesetzt werden. Trotz seines Sachverstands und seines Gefühls für Tauben ist für Jos natürlich nicht jeder Zukauf ein Volltreffer geworden. Eine richtige „Granate“ in der Zucht wurde der Zukauf „Sars“ (B-95-5055105), ein DNA-getesteter Sohn des weltberühmten „National 1“ von Karel Schellens.

Aus diesem Vogel wurden unter Inanspruchnahme der künstlichen Befruchtung viele Kinder gezogen, welche im eigenen Zuchtschlag und auf fremden Zuchtschlägen wiederum Tauben mit außergewöhnlichen Qualitäten züchteten. Nach Jos Meinung gehören der „Superman“ sowie der „Sars“ in die Riege der „überdominanten Vererber“ – wie z. B. auch der „Kleine“ von G. Vandenabeele, der „Kleine Dirk“ von G. Koopman, der „Kannibal“ von D. v. Dyck oder der „Schilderij“ von Gommaire Verbruggen. Solche Tauben sind so selten wie die allseits bekannten „weißen Raben“. Für die Weitstrecke und die Marathon- distanzen wurden die Gene des „Diego Armando Barcelona“ (B-83-5060602) aus dem Hause Thomas Peeters zum Aufbau einer eigenen Truppe hauptsächlich genutzt. Diese Taube war Jos Lieblingstaube zu Zeiten, in welchen er noch Schlagmanager bei seinem Schwiegervater war. Ein Bruder des „Diego Armando Barcelona“ sowie dessen Eltern wurden dem Schwieger- vater abgekauft. Diese Taubengene sind bis heute noch in der Marathonmannschaft vertreten. Übrigens entstammt der Vater des „Diego Armando Barcelona“, der B-82-5248481, zu 75 % aus den besten Tauben der Gebr. Kuypers (NL) und die Mutter B-82-5248386 ist aus „Van-der-Wegen-Tauben“ der Li- nien „Oud Doffertje“, „Lamme“ und „De Barcelona“ gezogen.

Am häufigsten vertreten in der aktuellen Marathonmannschaft sind die Gene des berühmten „Gouden Grijze“ (B-65-3065077). Diesen Vogel kaufte Thomas Peeters wegen seiner schönen Farbe (schimmel) 1967 auf einer Versteigerung in Brüssel! Über viele Generationen hat dieser Vogel bis heute die Reise- und Zuchttauben für die weiten Flüge geprägt. Für die Gegenwart steht in der Zucht an erster Stelle: „The Crow“ (B-05-5148626), welcher ein Ururenkel des „Gouden Grijze“ ist. Im aktuellen Zuchtbereich der Kurzstrecke ist die „Avril-Linie“ (Avril = BE03-5071209), in der Mittelstrecke die „Sachi-Linie“ (Sachi = B-12-5030350) und in der Weitstrecke die „Sedna- Linie“ (Sedna = BE04-5026055) sehr dominant vertreten.

"The Crow"
"The Crow"

Schlaganlage

Jos hebt immer wieder die Wichtigkeit einer funktionierenden Schlaganlage hervor. Viele erfolgreiche Züchter betonen in ihren Äußerungen immer wieder, dass nur die „gute Taube“ über Gewinnen und Verlieren entscheidet. Die Symbiose aus funktionierendem Taubenschlag, guten Tauben und einer hochwertigen Versorgung sind entscheidend für Siege und Niederlagen, so die klare Meinung des dynamischen Taubenflüsterers. 1990 wurde die Schlaganlage unter Berücksichtigung verschiedener Gesichtspunkte in Eigenleistung gebaut. Vielen Züchtern ist der moderne Schlagkomplex von Fotos bekannt, jedoch die besonderen Gegebenheiten oder die innere Ausstattung der Anlage sind weniger bekannt. Die in L-Form gebaute Schlaganlage ist voll auf die Bedürfnisse der Tauben und des Züchters (zeitsparende Versorgung) ausgelegt.

Die in L-Form gebaute Schlaganlage - Thoné Pigeons
Die in L-Form gebaute Schlaganlage - Thoné Pigeons

Die 60m Gesamtlänge der Schlaganlage sind genauso beachtlich wie deren Tiefe von 5m. Hintergrund ist, dass die Schlaganlage geteilt ist in einen vorderen und einen hinteren Bereich. Auf der Vorderseite befindet sich ein Gang, an den sich 2m tiefe Schlagabteile anschließen. An der Rückseite befinden sich mehrere Abteile mit angegliederten Volieren. Die Anlage ist daher auch für eine größere Anzahl von Tauben geeignet. Beim Betreten der gemauerten Schlaganlage ist die angenehm warme Temperatur auffällig. Verantwortlich hierfür ist die 9 cm starke Porenbeton-Innenwand (Ytong) des Schlages (nimmt Feuchtigkeit auf). Unter anderem aus optischen Gründen wurde diese Wand verklinkert. Die Klin- kersteine haben den Vorteil, sich leicht reinigen zu lassen und zusätzlich halten sie lange die Wärme, wodurch die Temperatur im Schlag in der Nacht nicht so stark sinkt. Zwischen der Ytong-Innenwand und der Klinkersteinwand befindet sich eine 6 cm starke Luftschicht. Die beiden Mauerwerke sind mittels Verbindungseisen miteinander verbunden.

Die Neigung des Daches ist so konzipiert, dass ein Verweilen auf dem Dach (Tonziegeln) für die Tauben ungemütlich ist. Zusätzlich sorgt ein Draht über dem Giebel dafür, dass das komplette Dach als Ruhemöglichkeit nach dem Training am Haus oder nach einem Distanzflug für die Tauben ungeeignet ist. Durch die großen Flügeltüren an der Vorderseite gelangt viel Frischluft in den Schlag. In den verschiedenen Abteilen sind Reise-, Jung- und Zucht- tauben, je nach ihren Bedürfnissen, beheimatet. Die Schlaganlage ist komplett mit Kotbandzellen ausgerüstet und somit zeitsparend zu reinigen.

Versorgung/Sportausübung

Seitdem Jos im Jahre 2000 die Firma „Thoné Pigeons“ gründete und somit zum Profispieler wurde, hat sich natürlich die Anzahl der Tauben auf dem heimatlichen Schlag erhöht. Aktuell sind die Söhne Maxim und Xavier mit großem Engagement in das Projekt „Thoné Pigeons“ eingestiegen. Gespielt wird unter den Namen „Jos Thoné“ und „Maxim & Xavier Thoné“. Jos beginnt die Saison mit 150 Kurz-/Mittelstreckentauben und 50 Weitstrecken-/Marathon- tauben. Maxim & Xavier beginnen die Saison mit rund 100 Kurz-/Mittelstreckentauben und 100 Weitstrecken-/ Marathontauben. Bei den Jungtieren werden ca. 200 Jungtauben für Jos und ca. 200 Jungtauben für die Söhne in die Schläge gesetzt. Zusätzlich werden für One-Loft-Race-Veranstaltungen etwa 50 Jungtauben gezüchtet. Die Anzahl der Reisetauben ist nicht gering, jedoch muss man auch anmerken, dass Jos und seine Söhne pro Jahr an über 70 Preisflügen teilnehmen, sodass sich auch die hohe Anzahl der Reisetauben relativiert.

Das Weitstrecken-Team (2019)
Das Weitstrecken-Team (2019)

Leider ist auch in As das Problem mit Greifvögeln an 365 Tagen im Jahr ein großes Ärgernis. Ca. 30 Tauben werden im Frühjahr durch Greifvögel geschlagen. Natürlich werden im Sommer/Herbst hauptsächlich Jungtauben durch die Greife geschlagen, wobei auch im Sommer schon die ein oder andere gute Alttaube geschlagen wurde. Alle Reisetauben (Kurz-/Mittel-/Weit- streckentauben) werden zu Beginn der Saison auf Preisflügen gesetzt. Dies bedeutet, dass gerade zu Beginn der Saison die prozentuale Preisausbeute nicht überdurchschnittlich gut ist. Dies ändert sich aber recht schnell in der Saison. Gespielt wird übrigens in den Clubs Genk & Zonhoven.

Schlaganlage "Thoné X+M"
Schlaganlage "Thoné X+M"

Bei der Versorgung der Tauben spielt Jos Wunsch, an jedem Wochenende zu spielen, und das wenn möglich auf verschiedenen Flügen, eine große Rolle. Das heißt, dass alle Tauben eine energiereiche Futtermischung (Beyers Premium Thoné Olympic) als Standardfutter erhalten. Je nach Belastung des letzten bzw. des folgenden Fluges wird diese Futtermischung modifiziert. Werden die Flüge schwerer, so werden gerne Samen nicht kultivierter Pflanzen (Wildsamen) und die Futtermischun- gen „Galaxy“ und „Long Distanz TT“ mit einem prozentualen Anteil von 10 bis 15 % zugemischt. Bei den Zuchttauben wird in der Zuchtphase die „Lütticher Mischung“ aufgrund des höheren Erbsenanteils zugemischt. Was die Beiprodukte betrifft, so werden aktuell Produkte der Firma PigeonHP verwendet. Am häufigsten werden die Produkte „Recup Fast“ & „Carbo Plus“ verwendet. Am Donnerstag wird das Futter zusätzlich mit Öl aufgewertet. Das Konditionspulver von seinem Schwager Dr. Nobert Peeters kommt in der Saison auch häufiger zum Einsatz.

Beyers Premium Thoné Olympic - eine 365-Tage Mischung
Beyers Premium Thoné Olympic - eine 365-Tage Mischung

Was die medizinische Versorgung betrifft, so wird, wenn nötig, natürlich der kurze Weg (100 m) zu Schwager Norbert genutzt. Vor der Saison wird prinzipiell eine fünf bis sieben Tage lange Kur gegen Trichomonaden mit Ronidazol durchgeführt. Die Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass auch wenn nur in geringem Ausmaß Trichomonaden festgestellt wurden, eine Kur sinnvoll ist. Andere medizinische Produkte werden nur bei Notwendigkeit eingesetzt.

 

Das Verhalten der Tiere in der Woche sowie die Handbeurteilung am Einsatztag sind Faktoren bei der Entscheidungsfindung für das Tippen der Erstbenannten. Eine Taube zu benennen, welche noch nichts in der Saison geflogen hat, ist laut Jos nicht Erfolg versprechend. Die Vorbereitung der Kurz-/Mit- telstreckentauben unterscheidet sich natürlich von der Vorbereitung der Weitstrecken-/Marathontauben. Bei der Kurzstrecke werden die Weibchen den Vögeln in der Regel nicht gezeigt. Nur bei wichtigen Flügen wird dieser Motivationsjoker genutzt. Zu Beginn der Saison werden die Weibchen nur für zehn Minuten beim Vogel belassen. Ab der Mitte der Saison werden dann die Tauben länger zusammengelassen. Die Kurz-/Mittelstreckentauben werden meist wöchentlich gespielt. Die Tauben für die langen Wege erhalten vor einem weiten Flug eine 14-tägige Wettkampfpause. Die Barcelona-Tauben dürfen am Einsatztag für ca. drei Stunden miteinander schmusen. Was das Training am Haus betrifft, so dürfen sich die Vögel zweimal am Tag in der Gegend umschauen und die Weibchen einmal täglich.

Die Jungtauben werden in ihrem Geburtsjahr sehr intensiv auf ihre Fähigkeiten geprüft. Wer vom Jungtaubenschlag auf den Reiseschlag wechseln möchte, muss mehrfach an Flügen über 400 und 500 km teilnehmen. Um eine solche Leistung abrufen zu können, spielt der Gesundheitszustand eine wesentliche Rolle. Jos füttert seit einiger Zeit seine Jungtauben nach dem Absetzen gezielt im nicht gereinigten Bodenbereich des Schlages. Die Jungtauben sollen hierdurch ihr Immunsystem stärken. Seit dem Jahr 2017, als auf den Schlägen Probleme mit Salmonellen auftraten, impft Jos seine Tauben gegen Salmonellen, Coli und Pocken. Jos ist mittlerweile überzeugt, dass die Impfungen der Gesundheit seiner Tauben förderlich sind und wird diese für belgische Züchter nicht übliche Art der Gesundheitsvorsorge weiter fortführen.

Erschien in "Die Brieftaube" 136 (2019) Nr. 37
Dank Heiko Nonn

 

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